Was REACH überhaupt regelt

REACH steht für „Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals" – eine EU-Verordnung, die den Umgang mit chemischen Stoffen europaweit einheitlich regelt. Für unsere Branche relevant ist vor allem Anhang XVII, Eintrag 75: Er reguliert oder verbietet über 4.000 chemische Stoffe, die in Tätowierfarben und Permanent-Make-up vorkommen können.

Das Ziel ist simpel: Pigmente und Zusatzstoffe, die allergisch, toxisch oder krebserregend wirken können, sollen aus der Nadel verschwinden. Das Problem für die Praxis: Viele Stoffe sind nicht pauschal verboten, sondern nur noch in so geringen Konzentrationen erlaubt, dass sie für Hersteller faktisch unbrauchbar werden.

Blue 15:3 und Green 7 – das prominenteste Beispiel

Seit dem 4. Januar 2023 dürfen die Pigmente Blue 15:3 und Green 7 in der gesamten EU nicht mehr in Tätowierfarben oder Permanent-Make-up verwendet werden. Beide galten jahrzehntelang als Standard für kräftiges Blau und Grün – und mussten von den Herstellern komplett neu formuliert werden. Wer heute noch alte Bestände dieser Farben im Regal hat, tätowiert damit nicht nur illegal, sondern im schlimmsten Fall auch mit Farben, die längst ersetzt wurden, weil sie gesundheitlich bedenklich waren.

Schon seit dem 4. Januar 2022 gelten zudem strengere Grenzwerte für zahlreiche weitere Chemikalien, die vorher in vielen Farbrezepturen steckten – von Konservierungsstoffen bis zu bestimmten Metallverbindungen.

Was das für deine Farbpalette bedeutet

Die gute Nachricht: Die großen, seriösen Hersteller haben ihre Rezepturen längst angepasst. Wer heute REACH-konforme Farben kauft, bekommt in der Regel keine sichtbar schlechteren Ergebnisse – die Reformulierung hat sich über die letzten Jahre stabilisiert. Die schlechte Nachricht: Der Markt ist unübersichtlicher geworden. Es kursieren immer noch Restbestände alter Chargen, vor allem über graue Importe außerhalb der EU.

Tipp von Tom

„Ich kaufe seit Jahren nur noch bei Herstellern, die mir auf Nachfrage sofort ein aktuelles Sicherheitsdatenblatt schicken können. Wenn ein Händler bei dieser Frage zögert, ist das für mich ein Warnsignal – unabhängig vom Preis."

Was als Nächstes kommen könnte

Die Liste regulierter Stoffe ist keine feste Größe. Die EU prüft laufend weitere Substanzen, und mit der wachsenden Diskussion um sogenannte Ewigkeitschemikalien (PFAS) rückt auch die Tattoo-Branche stärker in den Fokus der Regulierer – dazu mehr in einem unserer nächsten Artikel. Wer sich frühzeitig informiert, statt erst zu reagieren, wenn eine Farbe plötzlich vom Markt verschwindet, spart sich im Studio-Alltag viel Stress.

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